Koordinierungsbüro Normungsarbeit der Umweltverbände

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Koordinierungsbüro Normungsarbeit der Umweltverbände

Alles im Normbereich!?

Was haben Schraubengewinde und DIN-A4-Papier gemeinsam? Beide sind "Klassiker" der Normung: Dank ihrer standardisierten – normierten – Größe gibt es zu jeder Schraube die passende Mutter und zum Briefbogen einen entsprechenden Umschlag.

Auch in Umweltschutz und Gesellschaft haben Fragestellungen der Normung an Bedeutung gewonnen:

  • Was muss bei der Umweltkennzeichnung eines Produkts beachtet werden?
  • Wie kann man "Nachhaltige Entwicklung" beschreiben und vergleichen?
  • Wie kann auf den Einsatz von chemisch behandelten Hölzern verzichtet werden?
  • Wie können Umwelt- und Gesundheitsschutz im Umgang mit der Nanotechnologie gewährleistet werden?
  • Welche Standards müssen Organisationen erfüllen, damit sie als "gesellschaftlich verantwortliche Akteure" gelten können?

Normung setzt Standards für den Umweltschutz

Mit der Normung von Produkten, Verfahren und Prozessen werden die Weichen für alle Lebensbereiche gestellt. Neue Normen dürfen daher nicht allein unter dem Blickwinkel wirtschaftlicher Interessen entwickelt werden. Fachleute der Umweltverbände setzen sich deshalb in wichtigen Normungsausschüssen dafür ein, dass der Schutz von Natur, Umwelt und Gesundheit im Normungsprozess berücksichtigt wird.

Normen und Normung

Normen und Normung - Hilfe oder Hürde für den Umweltschutz?

Normen sollen Produkte, Produktions- und Messverfahren sowie Managementmethoden vereinheitlichen. Ziel ist es, ein hohes Maß an Qualität in Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Technik und für den Alltag zu gewährleisten.

Normung in Deutschland

Mit der Erarbeitung nationaler Normen hat die Bundesregierung das Deutsche Institut für Normung (DIN) beauftragt. Das DIN ist privatwirtschaftlich orientiert. Die Normungsarbeit erfolgt in geschlossenen Gremien. "Interessierte Kreise" – wie Lobbyverbände von Industrie und Umwelt – können an der Normenbildung mitwirken. Ziel ist es dabei, die Entscheidungen im Konsens herbeizuführen.

Arbeiten die Umweltverbände kontinuierlich in den Normungsgremien mit, können sie Einfluss auf die ökologische Optimierung der Normeninhalte nehmen. Andernfalls können Normentwürfe nur im Nachhinein kommentiert werden, wenn sie im "Norm-Entwurfs-Portal" des DIN oder in den DIN-Mitteilungen angekündigt werden. Ist eine Norm beschlossene Sache, ist sie in einer "Normenauslegestelle" kostenlos einsehbar bzw. kann über den Beuth-Verlag erworben werden.

Normen in Europa und weltweit

Mit der Globalisierung gewinnen internationale (ISO) Normen an Bedeutung. Ziel der europäischen Normungsorganisationen CEN und CENELEC ist es, europäischen Normen (EN) internationale Normen zu Grunde zu legen und diese möglichst unverändert zu übernehmen. Normenverweise in Rechtsetzungsakten führen dann zu einer gesamteuropäischen Verbindlichkeit und werden damit auch für Deutschland relevant. Über die Mitwirkung in den deutschen Normungsausschüssen können die Umweltverbände auch in europäische und internationale Gremien entsandt werden.

Verbindlichkeit von Normen

Die Anwendung einer Norm ist grundsätzlich freiwillig. Der Gesetzgeber kann Normen aber auch für rechtsverbindlich erklären, indem er sie in Gesetzen, Verordnungen und Verwaltungsvorschriften zitiert oder auf sie verweist. Damit werden z.B. unbestimmte Rechtsbegriffe, wie "Stand der Technik" oder "allgemein anerkannte Regeln der Technik" konkretisiert.

Normen kritisch betrachtet

Dies sorgt einerseits für Planungssicherheit. Andererseits kritisieren Umweltverbände negative Konsequenzen für den Schutz von Natur, Umwelt und Gesundheit. Denn Unternehmen, die auf Grundlage einer Norm handeln und sich dabei auf den "Stand der Technik" berufen, können im Schadensfall nur schwer haftbar gemacht werden. Dies macht es für betroffene Bürgerinnen und Bürger in der Regel kaum möglich, Entschädigungen gerichtlich durchzusetzen.

Umweltverbände engagieren sich in der Normung

Die "interessierten Kreise" entscheiden durch ihre Definitionen und Festlegungen in den Normenausschüssen in hohem Maße über Umweltstandards und Haftungsfragen. Es ist daher unabdingbar, dass Expertinnen und Experten der Umweltverbände kontinuierlich ökologische Aspekte in den Normungsprozess einbringen. Dies wird umso dringlicher, da im Zuge der Vereinheitlichung von Rechtsetzung innerhalb der EU und dem damit möglichen Verweis auf europäische Normen, die nationalen Regelungsinhalte immer häufiger durch de facto verbindliche europäische Normungsvorhaben abgelöst werden.

Vernetzung und Synergie in der Normungsarbeit

Das Koordinierungsbüro Normungsarbeit der Umweltverbände (KNU) bündelt die Normungsaktivitäten der Umweltverbände, damit die Stimme des Schutzes von Natur, Umwelt und Gesundheit möglichst effektiv in wichtigen Ausschüssen vertreten ist.

Koordinierungsbüro

Umweltverbände in der Normungsarbeit

Normen haben einen großen Einfluss auf alle Lebensbereiche. Deshalb ist es wichtig, dass die Umweltverbände im Normungsprozess mitwirken. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass der Schutz von Umwelt, Natur und Gesundheit in neuen Normen ausreichend berücksichtigt wird.

Um die Umwelt- und Naturschutzverbände bei ihrer Arbeit in der Normung zu stärken, ist im Jahre 1996 das Koordinierungsbüro Normungsarbeit der Umweltverbände (KNU) als Interessensvertretung geschaffen worden.

Das Koordinierungsbüro Normungsarbeit der Umweltverbände (KNU)

  • wählt Normungsprojekte gemäß Umweltrelevanz und Schwerpunkten aus,
  • fördert die Beteiligung von ExperInnen aus Umweltverbänden an Normungsvorhaben und autorisiert ihre Mitarbeit in den Normenausschüssen,
  • unterstützt die NormungsexpertInnen in nationalen, europäischen und internationalen Arbeitsgruppen,
  • koordiniert die Abstimmung unter den NormungsexpertInnen,
  • unterstützt die Lenkungsgremien des DIN in ökologisch relevanten Fragestellungen,
  • regt an / organisiert Workshops zu normungsspezifischen Themen,
  • erarbeitet und veröffentlicht Stellungnahmen und normungsspezifische Materialien.
Finanzierung und Unterstützung

Die Arbeit des KNU wird seit 1996 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) finanziell unterstützt und vom Umweltbundesamt (UBA) fachlich begleitet.

Organisation, Sitz und Partner des KNU

Aktuelle Träger des KNU sind der Deutsche Naturschutzring (DNR), die NaturFreunde Deutschlands (NFD) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Organisatorisch ist das KNU dem BUND e.V. angegliedert und hat seinen Sitz in der Bundesgeschäftsstelle in Berlin.

Partnerorganisationen

National erfolgt ein Austausch mit der Koordinierungsstelle Umweltschutz im Deutschen Institut für Normung (DIN-KU) und weiteren, an der Normung beteiligten Akteuren. Hierzu zählen der DIN Verbraucherrat (DIN-VR), die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und andere NGO.

Auch im Normungsbereich werden viele Weichen in Europa gestellt. Das KNU arbeitet daher eng mit dem europäischen Koordinierungsbüro für Normung ECOS zusammen, um auch in Brüssel einen effektiven Einfluss der Umweltverbände in der Normung sicherzustellen.



Quelle

Abgerufen: 25.08.2017

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